Ein Jahr im Ensinger Weinberg

Rebschnitt - Januar und Februar

Dieser erste Arbeitsschritt im neuen Jahr hat die Aufgabe, dem Stock seine Form zu geben und diese auch zu bewahren. Das alte Holz, welches nicht mehr benötigt  wird, wird entfernt. Durch die Ruhephase seit der Lese gehen wir davon aus, dass alle wichtigen Reservestoffe aus den Trieben schon im alten Holz eingelagert wurden („altes Holz“ sind die Teile des Stockes, welche nicht erst in den letzten beiden Jahren gewachsen sind). Schon bei dieser Arbeit können wir Einfluss auf dem Ertrag im Herbst nehmen.

Es bleiben noch zwei Ruten stehen, an welchen die Trauben im anstehenden Jahr wachsen sollen. Durch diese tragende Rolle der Triebe ist es besonders wichtig, dass sie gut ausgereift sind und eine optimale Position am Stock haben.

Auf dem ersten Bild sehen Sie den Stock, wie er vor dem Schnitt aussah. Das zweite Bild zeigt den Stock nach dem Schnitt, nur noch die zwei wichtigen Ruten sind am Stock verblieben.

1. Rebschnitt vorher    2. Rebschnitt nachher

Biegen - Februar und März

Nach dem Rebschnitt sind am Stock nur noch zwei Ruten verblieben. Diese müssen noch gebogen und fixiert werden.

Je nach Weinberg, Rebsorte und Philosophie des Winzers gibt es verschiedene Formen des Bogens. Es kann auch variiert werden, ob eine Rute oder beide Ruten gebogen werden. Die verschiedenen Bögen unterscheiden sich in der Anzahl der Augen, die am Stock bleiben. Aus jedem Auge kann dann potenziell ein Trieb entstehen, welcher Trauben trägt.

Mit dem Biegen der Fruchtrute soll dem Bestreben des Stockes entgegengewirkt werden, immer nur nach oben zu wachsen. In diesem Fall würden sehr bevorzugt die höchsten Augen am Trieb austreiben. Durch das „Knicken“ der Rute beim Biegen will der Winzer erreichen, dass alle Triebe gleichmäßig austreiben und die Trauben schön gleichmäßig am Stock verteilt werden.

Auf dem ersten Bild sehen Sie den Stock vor dem Biegen, auf dem zweiten Bild gab es dann einen Flachbogen.

Als nächster Arbeitsschritt im Weinberg steht dann erst das Entfernen von kleinen Trieben an, mit dem Schlepper wird in dieser Zeit das alte Holz gehäckselt.
Bis dahin sind wir aber noch mit Erhaltungsarbeiten in den Weinbergen beschäftigt, ziehen Bodenproben und auch auf dem Weingut steht noch genug Arbeit an!

3. Biegen 4. Biegen

Ausbrechen - Mai

Nun stehen die nächste Arbeit im Weinberg an: das Ausbrechen von überflüssigen Trieben und das Entfernen der Triebe am Stamm.

Je nach geplantem Ertrag und Rebsorte, sollte es am Bogen eine gewisse Anzahl an Trieben geben. Um die Arbeit für das restliche Jahr zu erleichtern, werden überflüssige und unpassend wachsende Triebe entfernt. Manche Rebsorten, z.B. der Spätburgunder, neigen dazu, aus einem Auge zwei Triebe zu bilden. Dieser werden entfernt („ausgebrochen“ in der Fachsprache). Weiterhin entfernen wir auch die Triebe, welche jetzt schon schräg wachsen und, wenn sie länger sind, kaum ordentlich in die Laubwand eingeheftet werden könnten.

Am Stamm der Reben werden so gut wie alle Triebe entfernt. Diese sind dort nicht erwünscht und müssen baldmöglichst entfernt werden, um die Wunden am Stock (Eintrittsstellen für Krankheiten) so klein wie möglich zu halten.

Auf den Bildern sehen Sie die ungeliebten Doppeltriebe. Der schwächere Trieb wird entfernt.

Verbunden mit den Ausbrecharbeiten steht nun auch bald schon das Heften an. Hierbei werden die Triebe in „den Drahtrahmen“ gebracht.

5. Ausbrechen 5. Ausbrechen

Heften - Mai und Juni

Nachdem beim letzten Arbeitsgang überschüssige Triebe entfernt wurden, durften die verbliebenen Triebe nun schön wachsen.

Leider wachsen die Triebe nicht immer exakt gerade nach oben, wie sich der Winzer das wünscht. Deshalb muss dieser die Triebe „erziehen“. Dazu gehört, dass sich die Triebe zwischen zwei Drähten befinden. Diese Drähte wurden vor der Vegetationsperiode geöffnet und gaben den Trieben bis jetzt noch rund 30 cm Platz, um dazwischen hoch zu wachsen. Diese Drähte werden nun geschlossen und am Stickel in entsprechende Ösen eingehängt. Die Triebe dazwischen werden vom Winzer noch gerade angeordnet und schon ist die Erziehung - für heute - beendet.

Auf dem ersten Bild kann man erkennen, wie der Draht noch herunterhängt. Die Triebe hängen noch kreuz und quer.
Auf dem zweiten Bild wurden die Triebe zwischen den Drähten eingefädelt und stehen nun aufrecht dar.
Das dritte Bild zeigt noch die Rebzeile, wie sie nach dem Heften aussieht.

7. Heften 

8. Heften 9. Heften

Entblättern - Juni

Um die Rebblüte sammeln sich beim Winzer vielfältige Aufgaben: das Heften muss ordentlich erledigt werden, der Pflanzenschutz verlangt viel Zeit und zudem müssen die Blätter in der Traubenzone entfernt werden.

Wer sich fragt „Warum machen die denn Blätter weg?“ wird hier informiert!

Zu viele Blätter um die Trauben sorgen für ein warmes, stickiges Klima für die Trauben. Wenn dann noch Regen dazu kommt, fühlen sich ungeliebte Pilzkrankheiten und Tiere unter den Blättern besonders wohl. Um also eine optimale Traubenqualität zu erhalten, werden die Blätter entfernt.
Hierbei spielt der Zeitpunkt eine Rolle: auch wenn jetzt die Trauben noch sehr klein sind und absolut ungenießbar schmecken, sorgen wir jetzt schon für eine besser Abhärtung der Trauben gegen die Sonne. Durch eine dickere Beerenhaut haben sie eigenen Sonnenschutz und bringen mehr Farbe. Gerade bei Rotweintrauben ist das gewollt, weshalb hier nochmal mehr Blätter entfernt werden als bei weißen Rebsorten. Ebenso wird in diesem Arbeitsgang auch manchmal schon ein Teil der Trauben entfernt. Durch weniger Blätter und eine geringere Größe kann den Krankheiten noch besser vorgebeugt werden.

Auf dem ersten Bild sieht man den Stock der Rebsorte Samtrot noch mit allen Blättern. Bild Zwei zeigt den deutlichen Unterschied. Die Blätter wurden hier nur von der Ost-Seite entfernt. Somit sind die Trauben der Morgensonne ausgesetzt, welche jedoch nicht so stark ist wie die Nachmittagssonne.
Bild Drei zeigt nun noch die jungen Trauben im Detail. Mit Zunahme ihres Gewichts senken sie sich ab.

Je nach Verlauf des Wetters macht auch eine Entblätterung ab August noch Sinn. Hier wird dann darauf geachtet, dass keine Blätter in die Trauben einwachsen, denn in diesen „Nestern“ fühlen sich die Schädlinge wieder besonders wohl.

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Trauben teilen - August

Im August ist es Zeit, mit einer weiteren Arbeit den Ertrag zu regulieren. Dies geschieht in all den Weinbergen, in welchen wir besonders gute Qualitäten erzeugen wollen. Weiterhin kann es bei Rebsorten nötig sein, welche immer besonders große oder kompakte Trauben bringen (z.B. Merlot und Lemberger).

Je nach Traube, Alter der Anlage und geplantem Wein wird nur der untere Teil der Traube entfernt, nur die „Schulter“ oder manchmal wird auch die Hälfte der Traube entfernt.
Somit kann der verblieben Teil der Traube mit allen Nährstoffen versorgt werden, welche die Rebe eigentlich für die ganze Traube geplant hatte. Gleich viel Nährstoffe für weniger Traube bringt dann mehr Qualität.

Diese Arbeit kostet viel Zeit im Weinberg. So stellt sie als letzte Möglichkeit der Ertrags- und Qualitätsoptimierung die exakteste Variante dar, ist jedoch auch mit dem höchsten Aufwand verbunden. Doch wir wissen, dass es sich rechnet!

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September & Oktober - Weinlese

Die schönste und stressigste Zeit für uns Winzer - wir dürfen die Arbeit vom ganzen Jahr ernten.

Reife Trauben